Zurück nach Uskow

Ein Schauspielsolo von Janosch für Menschen ab 14 Jahren

Regie: Karin Hopmann
Spiel: Rainer Galke
Bühnenbild: Maren Galke

„... und ich sage es mal so dahin: Wenn du am Ende nicht lachen kannst, ist dir das Leben nicht geglückt!“


Um heraus zu finden, was ihm am Ende das Lachen im Hals erstickt, geht Steiner in seiner Erinnerung zurück, bis in den Ort seiner Geburt. In „Zurück nach Uskow“ geht es Janosch mal wieder um die zentrale Frage nach der (Un-)Möglichkeit eines erfüllten, glücklichen Lebens. Der Schauspieler Rainer Galke geht sicheren Schrittes mit ihm, denn vieles auf dem Weg kommt ihm doch sehr bekannt vor. Auch seine Familie stammt aus Oberschlesien und diese prägte seine Weltsicht ebenso stark durch einen dunklen Katholizismus.

Um mit dadurch auferlegten Widersprüchen zurecht zu kommen, daraus eine tragfähige Grundlage für ein gutes Leben zu basteln und sich eventuell durch eigene Einsichten zu befreien - dazu bedarf es eines fantasievollen Menschen, eines wachen Querdenkers und eines konditionsstarken Hürdenläufers.

Begleiten Sie den alten Steiner durch traumatische Erinnerungen genauso wie durch Sternstunden der Erkenntnis, wo der Vorhang zerreißt vor dem was wirklich zählt: „Wonach ich mein ganzes Leben lang suchte, das hatte diese vom Leben zerfetzte Kreatur gefunden …“ Janosch wurde 1931 im oberschlesischen Zaborze geboren und die Beschreibung der speziell oberschlesischen, katholischen Erziehung lässt autobiografische Züge vermuten.

Der Spiegel Nr. 36/1993 schreibt über Janosch und seinen Besuch in Polen:

Ganz Oberschlesien ist ökologisches Katastrophengebiet, die Luft mit Staub, Abgasen und Schwermetallen verseucht. Janosch denkt in der Vergangenheit: "Wir kamen gar nicht auf die Idee, daß es eine andere Luft gibt."

Als viel verheerender sieht er das an, was ihm damals die katholische Kirche antat: "Sie hat mich total zerfetzt. Ich ging als Hackfleisch aus dieser Kindheit heraus."

Janosch, der sanfte Riese, Autor so vieler Kindergeschichten, die von eigenartig schwebenden Glücksgefühlen erzählen, schildert im Gespräch seine eigene Kindheit als einziges Horrorszenarium: Prügel von den Eltern, Sadismen der Nazi-Lehrer, Schindereien in der "Hitlerjugend". Aber mit Abstand das Schlimmste für ihn war "die katholische Gehirnwäsche" - ein lebensvergällendes Trauma. Mit Grausen erinnert sich der Ex-Katholik, wie er "dreimal die Woche bei Nacht und Nebel aus dem Bett gerissen und vor der Schule zur Messe gejagt" wurde.

Die Schule wird gerade renoviert. Die "Heilig-Geist-Kirche" gibt es nicht mehr. Sie wurde 1945 von den Russen niedergebrannt. An ihrer Stelle ist nun ein Glockenturm, der, als Janosch davorsteht, zu läuten beginnt: volle Dröhnung, minutenlang. Es ist Mittag in Polen.

"Mit Angstschweiß ging ich zur Beichte, denn Gott hatte dem Pfarrer die Macht übertragen, mir zu vergeben oder nicht." Monomanisch erklärt er alles Leid, das sein Leben beschwerte, aus den Verletzungen, die ihm der Terror seiner Religionslehrer zugefügt hat: den Haß, die Alpträume, die alkoholischen Exzesse, die seine Gesundheit ruinierten.

Uskow ist, wie könnte es anders sein, Zabrze. "Mit Uskow habe ich mich von dem Trauma meiner Kindheit befreit", beteuert der Autor. Janosch aus Zabrze hat endlich den schweren Steinblock des Horst Eckert aus Hindenburg, den er zeitlebens auf dem Buckel schleppen mußte, abgeworfen.

Janosch lebt. Tod, wo sind nun deine Schrecken? "Der Name in meinem Paß ist falsch", behauptet Janosch: "Horst Eckert, das bin ich nicht - nicht mehr."

Anläßlich eines Besuchs des Autors in seiner Heimatstadt reagierten die polnischen Gastgeber zunächst begeistert auf seine Absicht, ihnen ein Theaterstück zu schenken. Aber am nächsten Tag seines Besuchs waren ihre Köpfe mit Bedenken gestopft. "Nein, nie und nimmer", sagt Direktor Kula, "kann dieses Stück hier öffentlich aufgeführt werden." Der Ratgeber des Bürgermeisters hatte es über Nacht gelesen: "Sehr interessant, aber nur einem handverlesenen Zirkel von Intellektuellen zumutbar."

"Ganz Uskow war katholisch: die Leute, die Häuser, die Bäume, die Steine, und was nicht katholisch war, war des Teufels" - sagt der alte Steiner in seinem Selbstgespräch. Das scheint heute mehr denn je für Polen zu gelten.

Rainer Galke / Karin Hopmann / zarte-bande@gmx.de